Ritt- oder Zuchtmeister

der Erbadel Europas hat ein Problem mit der Biologie, soll heißen, die Nachfolge in so manch hohem Amt hängt an der unbefleckten Abstammungslinie. Eine der größten Krisen im Hochadel Europas löste im 20. Jahrhundert ein Rittmeister aus, von dem gesagt wird, er hätte einen der Abonnenten auf  den englischen Thron (zur Zeit fünfter Platz) gezeugt. Bedenkt man also, dass Lady Diana ihre erste nebeneheliche Affäre mit ihrem Reitlehrer hatte, muss man die Subtilität unseres Bundespräsidenten Gauck bewundern, der englischen Königin ein Gemälde zu schenken, auf dem ein Reitlehrer mit junger Frau zu sehen ist. Früher löste so etwas noch Kriege aus, heute nur Stirnrunzeln: 

p.s.: Da der Titel des Bildes „Pferd in Royalblau“ lautet, könnte man auch noch auf den Dudeneintrag zu Royalblau verweisen: „die Farbe wurde unter König Ludwig XIV. von Frankreich (1638–1715) eingeführt.“

Staat und Kirche

In Irland, das mehrheitlich katholisch ist, hat eine Mehrheit dafür gestimmt, das staatliche Eherecht unabhängig vom natürlichen Geschlecht der Ehepartner zu halten. Dies veranlasste katholische Würdenträger, „nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit“ zu sprechen. Die Worte der katholischen Kirche waren angesichts der pädophilen Straftaten in den eigenen Reihen und ihrer Verschleierung durch katholische Würdenträger weniger dramatisch.

Offensichtlich verwechseln hier katholische Würdenträger kaum weniger hingebungsvoll Staat und Kirche wie so mancher Bürger und Christ. Der Staat regelt, was unter freien Bürgern geregelt werden kann, die heiligen Sakramente aber sind der Kirche vorbehalten. Leider heißt es sowohl in der Kirche als auch im Familienrecht Ehe, so dass Verwechslungen vorprogrammiert sind.

Die Diskrepanz zwischen Gläubigen und jenen, denen dieser Glaube auch die wirtschaftliche Existenz sichert, kurz, dem Klerus, zu überbrücken, kann nicht Aufgabe des Staates sein, sondern nur der Kirche. Ob es dabei hilfreich ist, „von einer Niederlage der christlichen Prinzipien“ zu sprechen, wie es Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in Rom tat, vermag ich nicht zu beurteilen, habe da aber meine Zweifel.

Die Olympiade dürfte jedenfalls, glaubt man Bundespräsident Gauck, nicht im Vatikan stattfinden.*

Rom

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*Es ist reiner Zufall, dass dieser Text am Kindertag erscheint.

Gaucks Gleichsetzung von Russland und Nazi-Deutschland

Der immer noch amtierende Bundespräsident hat nicht nur, wie einer seiner Vorgänger, die Militärdoktrin von Verteidigung auf Angriff umgestellt, Horst Köhler ist seinerzeit deswegen noch zurückgetreten, sondern auch die Jährung des Angriffs Deutschlands auf Polen und damit den Beginn des 2. Weltkriegs genutzt, um das heutige Russland mit dem damaligen NS-Deutschland gleichzusetzen. Diesen Anlass zu nutzen, heißt den Angriffskrieg Deutschlands in einen imaginierten Angriffskrieg Russlands, in einen neuen Weltkrieg, umzudeuten. Gauck fühlt sich durch die Geschichte belehrt, dass die Appeasement Politik gegenüber Nazi-Deutschland ebenso verfehlt war, wie heute eine entsprechende Politik gegenüber Russland. Wörtlich lautet es:

Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern.

Musste es wirklich dieser Anlass sein, um Russland entgegenzuhalten, dass es die Partnerschaft mit dem Westen de facto aufgekündigt hätte. Es wird der Rolle Russlands, es wird den Opfern Russlands und der anderen seinerzeitigen sowjetischen Länder, ebenso wenig gerecht, wie deren Rolle bei der Befreiung Europas vom NS-Regime.