Morgen war’s schöner

Weil’s gestern schlimmer ist. Oder so ähnlich. Die philosophischen Hintergründe des Abends sind mir leider nicht so sehr im Gedächtnis geblieben, wie das allgemeine Gefühl befreiten, manchmal gequälten Lachens. Und ja, einige Witze waren wirklich schlecht, aber ich habe ja auch keinen Humor. Zumindest war ich ehrlich und habe bei eben diesem Vorwurf von der Bühne herab zustimmend geklatscht…

Aber ganz im Ernst, das Programm „Morgen war’s schöner“ zum 40-jährigen Bühnenjubiläum von Wolfgang Schaller in der Dresdner Herkuleskeule, ein „Best of“ — oder, wie der pessimistische Sachse (aka Rainer Bursche) sagt — am besten offhörn (zum Glück nicht!), war eine äußerst gelungene Zusammenstellung von bitterböser Satire, feinem Witz, großartigen Gesangseinlagen — vor allem an Birgit Schaller ist mit der Stimmgewalt ja wohl eine Opernsängerin verloren gegangen (aber dann hätte ich sie nie singen hören) — und minimalistischem, aber vielseitigen Bühnenbild aus drei weißen, unterschiedlich großen Stühlen.
Dabei drehte es sich immer um Ost und West, um Faulheit und Arroganz, um Politiker, um Merkel, um Banker, um politisch korrekte und unkorrekte Witze und natürlich Hannes, einen Kleingärtner und Lion’s-Club-Angehörigen (bestimmt!) aus der ersten Reihe. Der mitreißende und immer — mal abgesehen von seiner Rolle als missverstandenem Banker — optimistische Erik Lehmann vervollkommnete die Bühnencrew (sächsisch gesprochen „Kreff“), die die Texte von Wolfgang Schaller, teils mit viel Akrobatik und immer zwischen den Stühlen (Bühnenbild), einem geneigten Publikum zukommen ließ.
Das Programm umfasste viele herrliche Bilder, für die es sich definitiv lohnt, ins Kabarett zu gehen. So ist beispielsweise die Neuvertextung der Internationale als Ode an den Kapitalismus, komplett mit Pioniergruß und Flaggenappell, an Bissigkeit und bösem Realismus kaum zu überbieten — und natürlich ohne die großartige Zwei-Mann-Band an der Bühnenseite nicht denkbar („Oh, Bach!“)…

Mein unbedingter Rat also an die Leser: Nichts wie hin in die Herkuleskeule und nicht nur einen schönen Abend genießen, sich dabei politisch und gesellschaftlich kritisch fühlen und mit gutem Gewissen zu Lohn und Brot für die Herkuleskeulenschwinger etwas beitragen! Wem das Lachen hier im Halse stecken bleiben sollte, der kann es ja — frei nach Volker Pispers — getrost in der Pause mit einem Gläschen Sekt herunterspülen. Und bitte den Farbfilm nicht vergessen!