Meine Beute ist Deine Beute.

Aspekte im ZDF vom letzten Freitag, den 21. Juni, bringt einen Beitrag über Beutekunst. Freilich ist damit ausschließlich der nationalstaatliche Anspruch der Bundesrepublik gegenüber Russland gemeint.

So heißt es zum ur- und frühgeschichtlichen Fund von Eberswalde: „Aron Hirsch, der jüdische Fabrikant, schenkte das Gold der Berliner Museumsinsel. Trotz allem konnte er seiner Deportation durch die Nazis nur durch Selbstmord zuvor kommen.“

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, darf dann in die Kamera des Staatsfernsehens sagen: „Das Kulturgut selbst, die Originale, gehören dort hin, wo ihr rechtmäßiger Standort ist, und ich glaube kein Volk der Welt würde sein Recht aufgeben auf sein eigenes Kulturgut.“ Parzinger fordert für das deutsche Volk sein eigenes Kulturgut vor den Vitrinen des sogenannten Schatzes des Priamos. Das Deutsche an dieser Beutekunst ist vermutlich die Kunst ihrer Erbeutung.

Solange im bundesdeutschen Staatsfernsehen solche Sätze fallen, sollte Russland als Reeducation die Kunstschätze einfach noch ein wenig aufbewahren.

Pussy statt Putin

Während in Deutschland die Grüne Partei in trauter Gemeinsamkeit mit Union, FDP und SPD die körperliche Kennzeichnung für männliche Juden mit einem Sonderrecht regeln will und die katholische Kirche Blasphemie wegen des Titanic-Titels im Gesetz verankern möchte, sieht man am aktuellen Urteil in Russland, wohin der Abschied vom säkularen Staat führt.

Zwei Jahre Haft klingt unfassbar viel und ist es auch. Obwohl die Pussys sich bei den Gläubigen entschuldigt hatten, hat das Gericht diese Entschuldigung nicht gewürdigt und damit gezeigt, es ging um die politische Botschaft und nicht um die Verletzung der religiösen Gefühle. Für die politische Botschaft gab es seitens der Mädchencombo keine Entschuldigung und zu Recht nicht. Auch wenn der SPD Kanzler a. d., Gerhard Schröder, Putin noch als lupenreinen Demokraten bezeichnete, kann davon für Russland keine Rede sein. Hierfür bräuchte es ein Bürger- und kein Oligarchentum, d.h. hierfür bräuchte es privates Eigentum, Rechtssicher- und Meinungsfreiheit.

Bis dahin ist der Weg weit und, ob man ihn für diese lange Zeit auf dem Rücken kleiner, verrückter und sehr schlechte Musik machender Mädchen austragen muss, mag verantworten, wer will. Es ist in jedem Fall ein Jammer.

Die Stunde der Ideologen

Wenn die Pussy-Riots in einer orthodoxen Kirche kreischen „Putin pisst sich in die Hose“ (3Sat, Kulturzeit), dann ist das politischer Widerstand für die Freiheit. Wenn die Titanic den Papst als nicht ganz dicht aufs Cover setzt, dann ist das dekadent (Thomas Goppel, CSU). Dekadent war übrigens auch der Terminus der SED für unliebsame Kultur und das hieß für unterdrückte Kultur.

Der umstrittene Titanic-Titel war für mich als Gelegenheitskäufer ein Grund dieses Heft nicht zu kaufen, aber eben kein Politikum. Ob man überhaupt die Persönlichkeitsrechte des Papstes verletzten kann oder nicht vielmehr, solange man ihn nicht als Herrn Ratzinger beleidigt, er diese Form der Meinungsfreiheit hinzunehmen hat, wird ein Gericht oder auch mehrere zu klären haben. Schon jetzt aber zeigen sich die Ideologen, die Wächter von Wahrheit und Moral, denen so wenig vertraut ist, wie eine republikanisch verfasste Demokratie lebendig bleibt.

p.s.: Ich geh mir dann mal doch das aktuelle Titanic-Heft holen.