Die Zivilisationsdecke ist dünn

Sehr dünn.

Man kann ja zu unseren „Eliten“ stehen, wie man will, aber wer Gewalt als Lösung propagiert, muss mit Assoziationen von Steinzeit und Mittelalter, nicht aber mit solchen von aufgeklärten „Dichtern und Denkern“ leben können:

„Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würden sie zu Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus den Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln.“

— Tatjana Festerling (Pegida) am Montag (11.01.2016) in Leipzig

Glücklicherweise ist die Mehrheit der Bürger in Deutschland noch bei Verstand und versucht nicht, jede Diskussion mit einem Schlag ins Gesicht des Gegenübers für sich zu entscheiden.

Rassismuskeule

In einem Schulbuch des Bundeslandes Baden-Württemberg, Bildung ist Ländersache, ist unten stehende Karikatur gedruckt. Schon länger gibt es die rhetorischen „Totschlagargumente“, die versuchen aus harmlosen Mäusen mediale Mammuts zu machen. Die FAZ, in deren Umfeld die Karikatur ursprünglich erschien, vermeldet den offiziellen Protest der Türkei. Die Abbildung sei „ein Spiegelbild des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit“ in der Bundesrepublik. Unter dem „Deckmantel der Freiheit“ werde zu „Hass und Islamophobie“ angestachelt. Vorfälle wie der Abdruck der Karikatur, „die unseren Präsidenten und unsere in Deutschland lebenden Bürger beleidigt“, seien der wahre Grund „für das Scheitern der Integrationspolitik, da sie ein Gefühl der Ausgeschlossenheit unter Türken und Muslimen in Deutschland schaffen.“ Also das einzig Rassistische ist die Scharf(sic)-Rasse. Wie sich Erdogan beleidigt fühlen kann, weil das Haus in dem der Hund des Türken wohnt, die Aufschrift Erdogan hat, das weiß wohl nur wer türkischer Staatsdiener ist. Ja, Mahlzeit, aber auch!

 

Meine Beute ist Deine Beute.

Aspekte im ZDF vom letzten Freitag, den 21. Juni, bringt einen Beitrag über Beutekunst. Freilich ist damit ausschließlich der nationalstaatliche Anspruch der Bundesrepublik gegenüber Russland gemeint.

So heißt es zum ur- und frühgeschichtlichen Fund von Eberswalde: „Aron Hirsch, der jüdische Fabrikant, schenkte das Gold der Berliner Museumsinsel. Trotz allem konnte er seiner Deportation durch die Nazis nur durch Selbstmord zuvor kommen.“

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, darf dann in die Kamera des Staatsfernsehens sagen: „Das Kulturgut selbst, die Originale, gehören dort hin, wo ihr rechtmäßiger Standort ist, und ich glaube kein Volk der Welt würde sein Recht aufgeben auf sein eigenes Kulturgut.“ Parzinger fordert für das deutsche Volk sein eigenes Kulturgut vor den Vitrinen des sogenannten Schatzes des Priamos. Das Deutsche an dieser Beutekunst ist vermutlich die Kunst ihrer Erbeutung.

Solange im bundesdeutschen Staatsfernsehen solche Sätze fallen, sollte Russland als Reeducation die Kunstschätze einfach noch ein wenig aufbewahren.