Tote

sind der Kitt unserer Abendunterhaltung: Jetzt also Tote im Mittelmeer.

Ganz in der Manier guter Drehbuchautoren sind wir uns über die kompletten Gründe und Lebensläufe von Menschen sicher, die ihre Pässe zuvor vernichten, um in erhofften Asylverfahren möglichst viele Optionen und damit Chancen zu haben. Dass die Schleusung viel, sehr viel, Geld kostet, gemessen am Warenkorb der Migranten, hält uns in lautstarker Selbstergriffenheit nicht davon ab, von Armen zu sprechen. Die Möglichkeit, dass mit diesen Summen in ihren Heimatländern einiges auf die Beine zu stellen sein könnte, verbietet sich für den Ergriffenheitsrhetoren. Das ZDF unterlegt Interviews mit Flüchtlingen, die keine Schilderung einer konkreten Verfolgung vortragen, mit tragender Klaviermusik. Der Ton macht die Musik bzw. die Verfolgung. Schnell noch einen Afrikaner mit Stockholmsyndrom die Demokratie lobpreisen lassen. So ist es doch behaglich im Wohnzimmersessel, haben wir es doch geschafft im Westen zu leben und halten wir mal schön die Klappe, es kann ja alles noch viel schlimmer kommen. Die öffentlich-rechtlichen Medien leisten ganze Arbeit, um den Kapitalismus bei Laune zu halten.

Alle drei Sendesekunden stirbt ein Kind in Afrika. Denkt Mal drüber nach, aber nicht zu lang.