Widerwärtig

Mein lieber Herr Friedrich,

eigentlich wollte ich Ihrer Logorrhoe ja keine weitere Beachtung mehr schenken. Im Moment bin ich aber doch hin und her gerissen, ob ich schreien und toben soll oder mich doch lieber bei Ihnen bedanken.

Einerseits ist es schön, dass Sie sich doch noch dazu durchringen konnten klarzustellen, dass die Vorratsdatenspeicherung, sollte sie kommen, auf absehbare Zeit eben nicht nur zur Aufklärung schwerster Delikte eingesetzt werden wird. Das dabei gegen geltendes (Verfassungs-)Recht verstoßen wird, war ja schon immer unerheblich. Dafür möchte ich mich dann doch bedanken.

Hintergrund dieser Aussage war die „rassistische Internet-Hetze“ gegen Mesut Özil. In dieser waren wohl Statements wie „Özil ist garantiert kein Deutscher! Ein Stück Papier ändert nicht die Abstammung.“ gefallen. Dies fanden Sie „widerwärtig“, das können Sie auch und ich möchte Ihnen auch zustimmen. Aus dem Mund des Bundesinnenministers, dessen erste Amtshandlung darin bestand dem Bundespräsidenten zu widersprechen und festzustellen, dass der Islam bestimmt nicht zu Deutschland gehört, entbehrt das aber nicht einer gewissen bitteren Ironie.

In diesem Sinne

widerwärtigsten Dank, Herr Bundesinnenminister

Quelle: Lawblog und verschiedene Zeitschriften, auf die ich vorerst nicht mehr verlinken werde.