Wir werden umgarnt…

Riga unter Verschluss
Riga unter Verschluss
Flensburg unbeschuht
Schau schau, ein Schuh! Flensburger Schuh-Schonen

Es gibt einige Dinge, die sind schon fast normal, wenn man Ihnen in einer europäischen Großstadt begegnet. Ich denke da nur an alte Schlösser und Fahrradketten an so manchen Brücken, Zeichen von Verbundenheit und Liebe oder Freundschaft. Auch Schuhe, trostlos baumelnd über alten Strom- oder Telefonleitungen zwischen Spitzgiebeln sind mir schon untergekommen. Hier mag zwar die Vermutung aufkommen, dass jugendliche Schuhdiebe sich einen Streich erlaubt haben, aber steigendes Schuhaufkommen auf den hohen Hängeleinen verhilft dieser Dekoration vielleicht doch zu mehr Bedeutung. Die Amsterdamer Plüschtier-Kolonie auf einigen hohen Bäumen lässt schließlich — neben einigen gedanklichen Exkursen zu den Ewoks — je nach Wetter eine freundlich-kuschelige Herzenswärme aufkommen oder triefend-nasse Verzweiflung für alle Kinderträume.

Plüschtier-Kolonie in Amsterdam
Amsterdamer Plüsch

Doch in Krakau stand so mitten auf dem Platze, allein an einem Schild, ein Fahrrad. Nicht, dass dies alleine so ungewöhnlich wäre. Allerdings war es nicht nur angeschlossen, sondern auch umgarnt, verkettet mit dem Schild und mit sich selbst, bunt und grobmaschig, eine gar sonderbare Skulptur. Sie schafft eine Verbindung zwischen Symbolen der Alltäglichkeit, der inzwischen zur Freizeitbeschäftigung verkommenen Strickkunst und unserem treuen Drahtesel, einsam und lahmend ohne Reiter an einer Stahlstange zurückbleibend. Eine Verbindung, die eben doch nicht alltäglich ist, fällt auf, lässt einen stutzen, lächeln, vielleicht auch nachdenken. Guerilla-Stricken — nach dem Guerilla Gardening die neue Rebellion der Städter?

Umgarnt in Krakau
Umgarnt in Krakau

In Remscheid bezahlt man inzwischen übrigens für dieses Phänomen: Hier wird gleich ein ganzer Baum umgarnt… Aber ist dies dann eigentlich noch Guerilla?

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