Ziemlich beste Freunde

Für den reichen, kultivierten Philippe (François Cluzet) ist Berlioz ein französischer Komponist, für den gerade aus dem Gefängnis entlassenen Driss (Omar Sy) ist es der Name eines Sozialwohnblocks in der Pariser Vorstadt, dem Ghetto, aus dem er stammt. Normalerweise können sich beide Männer in unserer heutigen Welt einfach nicht so begegnen, wie es der Film erzählt, aber das Leben schreibt ja bekanntlich die schönsten Geschichten. (Der Film basiert tatsächlich auf einer wahren Begebenheit…)

So landet Driss plötzlich als Pfleger des querschnittsgelähmten Philippe in einer Pariser Luxusvilla und ist für diesen, ohne Respekt und Mitgefühl, geradezu eine Erholung von der alltäglichen Heuchelei um ihn herum. In diesem Film geht es nachfolgend hauptsächlich um die Entwicklung dieser so unwahrscheinlichen Männerfreundschaft, aber auch sozialkritische Zwischentöne werden dezent-melancholisch eingespielt. Dazwischen bilden teils schnell geschnittene Szenen das Flickwerk einer Beziehung zwischen klassischer Musik und Earth, Wind & Fire, zwischen vornehmer Zurückhaltung und (nicht nur) joint-induzierter, fast vergessener Fröhlichkeit. Gute Laune ist jedenfalls garantiert, ich muss schon den dritten Tag in Folge immer mal wieder unwillkürlich grinsen — und das angesichts der allgemeinen Umstände!

Also los, angucken! Und bitte, solange es noch geht, das französische Original, denn Hollywood plant schon jetzt — völlig überflüssig — ein Remake. Dabei ist „Ziemlich beste Freunde“ bei uns gerade erst ins Kino gekommen und das mit wirklich grandiosen Schauspielern und einer Umgebung — Paris — die kaum vielschichtiger und konfliktträchtiger sein könnte…